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«Wir waren vor den Kopf gestossen»

26. August 2010

Zwei grosse Open Airs mit ähnlicher Musik finden im Kanton Zürich am selben Wochenende statt: das Zürich Openair und die Winterthurer Musikfestwochen. Der «züritipp» hat die beiden Veranstalter zu den Gründen dafür befragt.

Am Wochenende kommt es zum Clash der Zürcher Festivals: Zwei Anlässe buhlen um praktisch dasselbe Publikum. Diese Planung irritiert.

Remo Brunner: Grundsätzlich sehe ich die Musikfestwochen mehr als Konzertabende. Man kommt und geht wieder. Wir sind ein Open-Air-Festival: Viele kommen für drei Tage und bleiben auf dem Gelände. Deshalb haben wir uns an den Daten ähnlicher Festivals orientiert.

Jane Wakefield: Wir waren vor den Kopf gestossen, als wir erfuhren, dass ihr euer Open Air am selben Wochenende plant. Es sind 15 Kilometer Luftlinie! Wir arbeiten bewusst mit verschiedenen Festivals zusammen, wenns um die Abstimmung der Programme geht, das klappt bestens. Ehrlich gesagt verstehen wir eure Unterscheidung Konzertabend/Open Air nicht ganz. Wir bekommen Feedbacks von Leuten, die sagen: «Gopf, jetzt muss ich mich zwischen Eels und Placebo entscheiden.» Das finden wir schade. Wenn ihr uns euren Termin frühzeitig kommuniziert hättet, hätten wir zusammenarbeiten können.

Brunner: Aus Fanperspektive ist es doch genial, wenn ich mehr Auswahl habe. Unsere Ausstrahlung ist zudem eine andere. Wir verkaufen auch viele Tickets in Süddeutschland, Italien und Frankreich. Und wir führen Zürich im Namen. 2007, bei unserem ersten Festival auf dem Hönggerberg, hatten wir eine tolle Infrastruktur, aber das Line-up war nicht gut genug. Über drei Tage hinweg waren 12 500 Leute da, letztlich aber haben wir Geld verloren. Die damaligen Partner haben wir zum Teil jetzt noch, mit ihnen konnten wir alles gut regeln. Aber viele von ihnen hätten es nicht goutiert, wenn wir für 2010 angekündigt hätten, wir machen dann mal ein Festival und sagen irgendwann, welche Bands kommen. Wir mussten von Anfang an selbstbewusst und mit einem starken Programm auftreten.

Wakefield: Warum habt ihr nicht mit anderen Veranstaltern zwecks Absprache Kontakt aufgenommen?

Brunner: Weil man uns den Einstieg erschwert hätte.

Das Zürich Openair hatte also Angst, dass sein Vorhaben zu früh publik würde?

Brunner: Davon sind wir ausgegangen. Wir hätten uns so die ganze Kommunikation versaut. Zu dem Zeitpunkt waren wir noch nicht bereit.

Ist diese Befürchtung aus Sicht der anderen Veranstalter begründet?

Wakefield: Es gibt ein Gegenbeispiel: das Greenfield in Interlaken. Die haben früh im Vorfeld angefangen, Gespräche mit bestehenden Festivals zu führen, und sind auch der Swiss Music Promoters Association (SMPA) beigetreten, bei der wir Mitglied sind und alle grossen Schweizer Festivals. Via SMPA haben wir letztlich auch von euren Plänen erfahren. Wir wussten vor Veröffentlichung von eurem Line-up schon im Februar – und es ist nichts an die Medien durchgesickert.

Brunner: Wir kannten unser Line-up im Februar selbst noch nicht.

Da steht Aussage gegen Aussage. Für die Zukunft gibt es vier Möglichkeiten: Man nimmt die Festivals zeitlich auseinander, ein Festival ändert die Ausrichtung, man bleibt gleich, arbeitet aber zusammen, oder alles bleibt so wie jetzt. Welche Möglichkeit ist die wahrscheinlichste?

Brunner: Ich gehe davon aus, dass es in diesem Jahr für alle gut herauskommt. Wenn das so ist, kann man gerne über nächstes Jahr reden. Mit dem Geländeeigner – dem Kanton Zürich – und dem Bauer, der es bewirtschaftet, haben wir bereits über die Zukunft gesprochen. Wir haben die Möglichkeit, das Festival auch in den nächsten zwei Jahren zu machen.

Wakefield: Mein Wunsch wäre, dass die Anlässe nicht am selben Datum stattfinden. Und dass wir uns im Vorfeld miteinander so absprechen, dass letztlich jeder seinen Vorlieben entsprechend programmieren kann.

Die stilistische Ausrichtung zu ändern, ist für beide keine Option? Ist der Markt nicht schon gesättigt?

Brunner: Wir haben unsere Mischung aus Electro und Indie sehr bewusst gewählt, weil beide Stile Zürich prägen und die Szenen gut zusammen funktionieren. Und die Vorverkäufe zeigen: Es hat für beide Festivals Platz.

Wakefield: Ich denke auch, dass es Platz für beide Konzepte gibt, obwohl man festhalten muss, dass der Festivalmarkt gesättigt ist. Die Musikfestwochen haben seit 2002 immer positiv bilanziert. Auch heuer sieht es mit zwei ausverkauften Abenden sehr gut aus. Aber wenn die Kommunikation schlecht läuft, wirkt sich das ganz handfest aus: Zwei Festivals bieten um dieselbe Band. Am Schluss bekommt sie einer, der aber zahlt zu viel. Da leiden auch die Konsumenten darunter – durch höhere Eintrittspreise.

http://www.zueritipp.ch/

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